Beim Reych Zu den drey Gleichen (432) ist Kultur Eigenarbeit: Die Sassen aus Arnstadt, Gotha und Umgebung tragen selbst verfasste Gedichte, Anekdoten, Parodien und Lieder vor, kreuzen im Wortgefecht die Klingen und lassen manches im Stegreif entstehen. Gäste hören zu. Gesippt wird am ersten und dritten Montag im Monat um 19:30 Uhr in Arnstadt.
Große Namen als Stichwortgeber
Oft liefert ein bekannter Name den Anlass. Zum 100. Todestag Rainer Maria Rilkes widmet das Reych dem Dichter des Panthers einen eigenen Abend, mit Tiefgang und Witz zugleich, und man darf gespannt sein, was aus den Duineser Elegien wird, wenn ein Schlaraffe sie in die Hand nimmt. Loriot wiederum stand Pate bei „Mein Name ist Lohse“, einem Abend voller Andeutungen, Halbwahrheiten und Spiel mit Identität und Tarnung. Und dass Bach zu seinem Geburtstag gefeiert wird, ist in Arnstadt fast Pflicht: Hier prüfte der Achtzehnjährige 1703 die Orgel der Neuen Kirche und wurde prompt als Organist eingestellt.
Wenn das Thema selbst ein Scherz ist
Andere Themen sind reine Einladungen zum Fabulieren. Bei der Umkehrsippung steht alles kopf, und wer sonst schweigt, hat plötzlich das Wort. Ein Turney, also ein Wettstreit der Beiträge, wird ausdrücklich um Nichts ausgetragen, was die Dichter erstaunlich wenig bremst. Über skurrile Gesetze, die heute noch gelten, lässt sich trefflich referieren, und aus Narreteien werden mitunter Wahrheiten. Selbst die Quellsippung, benannt nach dem schlaraffischen Wort für Bier, verlangt nach Versen und Gedanken. So entsteht Abend für Abend Kleinkunst, die es genau so kein zweites Mal gibt.
Ein Spiel mit Theaterwurzeln
Diese Art Kunst hat in der Gegend Tradition. Die erste Gotaha ging aus einem Theaterkreis hervor; ihr Gründer Albert Ludwig Eilers war Opernsänger im Bassfach und Komponist, und auf seine Anregung entstand 1859 in Prag die Schlaraffia selbst. In Arnstadt pflegte seit 1888 das Arnoldia-Kollegium Kunst und Kultur unter Phantasienamen, ehe es sich Anfang der 1890er Jahre der Schlaraffia anschloss. Das heutige Reych, 2023 sanktioniert, steht damit in einer Linie, die gut anderthalb Jahrhunderte zurückreicht.
Zwischen Ekhof-Theater und Puppenstadt
Kulturell sind beide Städte gut bestückt. Gotha besitzt im Schloss Friedenstein das Ekhof-Theater, ein vollständig erhaltenes barockes Schlosstheater, Arnstadt die Kirche, die seit 1935 Bachs Namen trägt, und mit Mon plaisir eine barocke Puppenstadt von europäischem Rang. Dazu kommt die Sage vom zweibeweibten Grafen, die Musäus erzählte und die Schubert zu einer unvollendeten Oper anregte; mehr dazu unter Der zweibeweibte Graf von Gleichen. Das Reych fügt dem etwas Kleineres hinzu: Kunst ohne Kulisse, gemacht von denen, die am Tisch sitzen.
Zuhören, mitlachen, wiederkommen
Als Gast müssen Sie nichts vorbereiten, Zuhören ist hier eine geachtete Rolle. Welche Themen die nächsten Montage tragen, zeigen die Veranstaltungen, Antworten auf praktische Fragen finden Sie unter Häufige Fragen. Was die Schlaraffen seit 1859 zusammenhält, erklärt schlaraffenfreunde.de auf der Seite Schlaraffia für Neugierige.
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